Jahreshauptversammlung 2020

09.04.2020

Wie wichtig dem Freilassinger Wirtschaftsforum (Wifo) eine gute Zusammenarbeit mit der neuen Freilassinger Stadtspitze sein wird, hat sich schon bei der Podiumsdiskussion der Unternehmer im Januar gezeigt (wir berichteten). Und auch bei der Wifo-Jahreshauptversammlung war die Wahl  am morgigen Sonntag Thema – Schon alleine deshalb, weil es die letzte Versammlung mit  Josef Flatscher als Bürgermeister und damit kooptiertes Wifo-Vorstandsmitglied war.  Eine große Zäsur: Schließlich hatte das scheidende Stadtoberhaupt das Wifo vor 19 Jahren mit aus der Taufe gehoben.

Aus Sicht der Unternehmervereinigung also große Fußstapfen, die er hinterlässt.  Die Wifo-Vorsitzende Anni Klinger ist trotzdem optimistisch, was  Flatschers Nachfolger angeht – denn sie sei froh darüber, dass in Freilassing gute Kandidaten bereitstünden. Da konnte sie sich eine Spitze nach Reichenhall nicht verkneifen. Besonders hinsichtlich des Kandidaten Hans Söllner  – ohne ihn namentlich zu nennen – hegt sie höchste Bedenken. „Es ist kein Gauditum, das Amt des Bürgermeisters. Es ist keine Party, die man da sechs Jahre lang im Rathaus feiern kann.“

Und eben weil das Amt ein so wichtiges sei, müsse man ihm auch den nötigen Respekt entgegenbringen: „Jeder Bürgermeister dieser Stadt hat seine Spuren in unserer Heimat hinterlassen“, so Klinger, die den Wifo-Mitgliedern deshalb zurief: „Lassen wir nicht zu, dass alles und jeder in den Dreck oder in die Lächerlichkeit gezogen wird.“ Sie ist überzeugt: Das Menschsein habe sich niemals nach vorne entwickelt, wenn gleichzeitig die Werte in den Keller gingen.

Sie verwies deshalb auf ihren Leitspruch: „Miteinander statt gegeneinander. Nehmen wir einander ernst und machen wir die Anliegen des Gegenübers nicht lächerlich.“ Das Miteinander werde im Wirtschaftsforum nicht von ungefähr hochgehalten – „Und wir haben die Hoffnung, dass dies auch nach dem 15. März weiterhin  mit der Stadt so gehandhabt wird und freuen uns auf eine neue sechsjährige Amtszeit. Gemeinsam mit dem dann neuen Stadtoberhaupt sei man bereit für neue Ideen, neue Wege und neue Ansätze.

Denn an Innovationskraft mangelt es dem Wifo wahrlich nicht, wie ein Blick auf die Veranstaltungen des vergangenen Jahres bewies: Von Job-Speeddating über Gesundheitsmesse, Tag der Frau – quasi jeden Monat  hat  das Wifo Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Ein kurzer Film fasste all diese Höhepunkte zusammen. Florian Zeif, Wifo-Fachgruppensprecher Gastronomie und Tourismus,  blickte bei dieser Gelegenheit auch schon einmal auf die kommenden Veranstaltungen voraus und verriet bereits die ein- oder andere Neuerung in diesem Jahr. So werden bei der diesjährigen Autoshow erstmals nicht nur Neuwagen zu sehen sein, sondern das Porsche Traumwerk wird auch einige Oldtimer präsentieren. Fest etabliert, aber nicht minder erfolgreich sind die Wifo Gutscheine, mit denen vergangenes Jahr rund 285 000 Euro umgesetzt wurden.

All diese Aktionen wird das Wifo wieder mit dem selben Finanzaufwand bestreiten wie im vergangenen Jahr: Es kalkuliert mit einem  Budget von rund 150 000 Euro, das sich zu je rund einem  Drittel aus Mitgliedsbeiträgen, einer städtischen Förderung und Einnahmen zusammensetzt. Revisor Wolfgang Böhm bescheinigte in seinem Prüfbericht eine saubere Kassenführung und empfahl die Entlastung, die einstimmig erteilt wurde.

Zum Ende der Versammlung gehörte dann noch einmal Flatscher selbst das Wort. Freilich sei er ein wenig wehmütig nach all den Jahren, in denen er die Unternehmervereinigung begleitet habe. Er könne heute stolz sagen: „Das Wifo wird  landauf- und landab beneidet, wenn nicht gar kopiert.“ Der Erfolg sei in erster Linie dem geschuldet, dass die Mitglieder mit viel Herzblut und vor allem ehrenamtlich bei der Sache seien, ist Flatscher überzeugt.

Doch ob dieses ehrenamtliche Engagement auch künftig noch reicht,  das Wifo am Laufen zu halten? Für Flatscher steht jedenfalls fest: „Alles wird immer komplizierter, die Arbeit mehr.“ Um ein professionelles Stadtmarketing, das das Wifo unterstützt,  führt aus seiner Sicht deshalb kein Weg herum. Bis es soweit ist, wünschte er den versammelten Unternehmen, dass sie möglichst unbeschadet die Corona-Krise überstehen – „Denn wenn es den Freilassinger Betrieben gut geht, geht es auch Freilassing gut.“