"WIFO 2030" - der Blick geht nach vorn

17.02.2022

Der französische Schriftsteller Victor Hugo hat dem Begriff der Zukunft einst drei Stempel verpasst: für Schwache sei sie das Unerreichbare, für Furchtsame das Unbekannte, für Mutige die Chance. Das Wirtschaftsforum Freilassing sieht sich bei Letzteren  – und nimmt seine  Zukunft in die Hand.

 

Bei einem eintägigen Workshop im Freilassinger Rathaussaal am gestrigen Montag war das „WIFO“ in seine Einzelteile zerlegt und wieder aufgebaut worden, um eine gemeinsame Vision zu schaffen. Der freie Autor und Moderator Gerhard Richter führte unter dem Motto „WIFO 2030“ durch den Tag. 17 Teilnehmer/innen um die Vorsitzende Anni Klinger und Stellvertreter Florian Zeif haben Ideen ersonnen und verworfen und die Wirtschaftsregion ganzheitlich betrachtet.

 

Dazu holte man sich die essenziellen Partner an die Tische – wenn auch mit Abstand und FFP2-Maske: Mit dabei waren unter anderem Bürgermeister Markus Hiebl (parteilos), Stadtrat und Wirtschaftsreferent Christoph Bräuer, Stadtentwicklungsbeirätin Anna-Lena Römer, Lars Holstein, Prokurist und  Mann fürs Innovative beim BGLW (Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice) sowie Amtsleiter Daniel Beutel (Öffentlichkeitsarbeit) und Kristina Kern vom Stadtmarketing.

 

Wer einen Blick an die Decke des Saales warf, konnte in deren Konstruktion ein Schaubild der zentralen Frage des Workshops erkennen: Wohin soll es gehen? Die Decke trägt an jeder gedachten Kreuzung der Quadrate eine Lampe, also eine Idee, dazu etliche Wege hin und wieder weg. Aber welche Wege nehmen? Darum sollte es gehen.

 

Dazu war es wichtig, den Startpunkt zu benennen, den Ist-Wert. Das WIFO sei nach über 20 Jahren des Bestehens einer der wichtigsten Lobbyisten der Stadt Freilassing, sagte Klinger eingangs des Events an die Adresse von Bürgermeister Hiebl. „Eine starke Stadt brauche eine starke Wirtschaft und umgekehrt“, betonte Klinger und führte ebenso starke Zahlen ins Feld: Mehr als 170 Betriebe setzten auf das WIFO-Netzwerk, die Unternehmerinnen genauso wie die Händler, Industrielle, Handwerker, Dienstleister oder Gastronomen und Hoteliers. Vor Corona organisierte man alle sechs Wochen eine Großveranstaltung vom Kaliber der Autoshow, Night Hour oder Weinfest.

 

Überhaupt, die Pandemie. Klinger ging mit Nachdruck darauf ein, wie viele Probleme die mehrfache Grenzschließung zu den Salzburger Nachbarn geschaffen habe. „Die Maßnahmen der Staatsregierung“ in dieser Angelegenheit „trafen und treffen uns doppelt und dreifach“, so Klinger. Umso hilfreicher sei es da gewesen, in Gestalt des WIFO als gewerbliche Einheit gegenüber der Politik auftreten zu können und beispielsweise mit dem „Montagstrommeln“ auf die angespannte Grenzlage hinzuweisen.

Eine Krise birgt aber eben auch Chancen: Corona als Katharsis. In Folge der Ansprache Anni Klingers und weiterer Kurzreferate kamen die Teilnehmer in Arbeitsgruppen zusammen. Ausgelotet werden sollte unter anderem, welche Angebote weiterhin von der WIFO verwaltet werden sollen und welche nicht, oder was Freilassing an Angebot fehlt und mit welchen Pfunden die Stadt nach außen hin wuchern sollte (Badylon, Sportanlagen, Arbeitsplätze).

 

Bürgermeister Hiebl nahm im Hintergrundgespräch mit unserer Zeitung konkret den Tourismus in den Fokus und warb für wieder mehr interkommunale Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Reichenhall und dem Landkreis. „Wenn jeder für sich selbst ist, ist das für niemanden gut“, betonte Hiebl. Vor weniger als einem Jahr, am 20. und 21. April 2021, änderte die ehemalige „Berchtesgadener Land Tourismus GmbH“ sowohl ihren Namen („Bad Reichenhall Tourismus & Stadtmarketing GmbH“), ihren Sitz (von Berchtesgaden nach Bad Reichenhall)  wie auch ihre Satzung. Zweck ist seitdem, den Tourismus in selbst gewählten Zentren zu fördern, Bad Reichenhall als „Alpenstadt“ und Berchtesgaden als Paradies für Wanderer und Bergsteiger profitieren besonders. Der Norden aber sucht seitdem seine Rolle. „Ein gemeinsamer Tourismus, da müssen wir wieder hin“, sagt Hiebl in Bezug darauf.

 

Weitere Anforderungen aus den Arbeitsgruppen  waren unter anderem, die lokale Kaufkraft zu stärken, intensiver mit dem großen Nachbarn Salzburg zu kooperieren und die Stadtentwicklung ganzheitlich zu betrachten. Nicht nur Bürgermeister Hiebl weiß: Es gibt viel zu tun, in und um Freilassing. Wichtig sei aber, „mit Selbstvertrauen aufzutreten“ – und  Chancen zu nutzen.

(Text: Freilassinger Anzeiger vom 15.2.2022)