Kunden aus Österreich sind wieder da

25.06.2020

Wieninger Bräus Wirt Daniel Pichler (Mitte) ist froh über den zurückgekehrten Umsatz nach der Grenzöffnung. Er freute sich über das persönliche Gespräch mit Landrat Bernhard Kern (l.) und Bürgermeister Markus Hiebl (r.), die mit den beiden Wifo-Vorsitzenden Anni Klinger (2.v.l.) und Florian Zeif (2.v.r.) Händler und Gastronomen besuchten und sich ihre Berichte anhörten.

Auf Einladung des Wirtschaftsforums (Wifo) verschafften sich Landrat Bernhard Kern und Bürgermeister Markus Hiebl am Freitagnachmittag in persönlichen Gesprächen mit Handel und Gastronomie einen Eindruck von der aktuellen Lage. Wifo-Vorsitzende Anni Klinger und ihr Stellvertreter Florian Zeif werden nicht müde die Politik darauf aufmerksam zu machen, wie nachteilig strengere Corona-Auflagen Bayerns gegenüber Österreich für die Grenzstädter sind.

 

Eines ist klar. Weder ein Landrat noch ein Bürgermeister macht die Gesetze und Verordnungen. Dennoch sind es die öffentliche Aufmerksamkeit, das unnachgiebige Bohren und Erklären, vom dem sich Anni Klinger letztlich Anstöße und Erfolg erhofft, wie sie erklärt. „Ich freue mich, dass ihr Euch die Zeit nehmt und ein Bild davon macht, wie es Handel und Wirtschaft geht”, sagte sie zur Begrüßung zu den beiden Würdenträgern, die diesen Termin sehr kurzfristig in ihren dichten Kalender drängten. Landrat Kern berichtete, dass er bei seinem kürzlichem Treffen mit dem Salzburger Landesrat Dr. Josef Schwaiger (wir berichteten) die verschiedensten Themen besprochen habe. „Wenn die Grenze zu ist, sind wir wie abgeschnitten, wir brauchen die Kunden aus Österreich dringend”, bestätigte er.

 

„Was den Händlern im Wettbewerb weh tut ist, dass es drüben (Österreich, Anm. d. Red.) keine Maskenpflicht mehr gibt“, zählte Klinger etwa auf. Ihrer Meinung nach, weichen die heimischen Kunden deshalb lieber ins Nachbarland aus. Sie kenne auch Fälle, bei denen die Maske für das Personal selbst nach acht bis neun Stunden Tragens eine körperliche Belastung sei. Deshalb sieht sie die Ankündigung positiv, dass im Falle von Plexiglasscheiben die Verkäufer auf die Maske verzichten dürfen. Landrat Kern äußerte sich verständnisvoll über ihre Sorgen, wies jedoch gleichzeitig auf die drei Covid-Neuerkrankungen vom Tag zuvor im Berchtesgadener Land hin, nachdem der Landkreis mehrere Tage coronafrei gewesen war. „Wir müssen immer noch aufpassen.” Viele Menschen verhielten sich sehr vernünftig. „Was festgelegt ist, ist festgelegt”, sagte er unmissverständlich zu den rechtlichen Vorgaben. Woraufhin der stellvertretende Wifo-Vorsitzende Florian Zeif erwiderte: „Wenn du nach Salzburg fährst, glaubst du, es gibt kein Corona mehr.” Woraufhin Bürgermeister Markus Hiebl  kommentierte: „Sobald es wieder erste Coronafälle gibt, kann dies wieder anders aussehen.”

 

K&L-Geschäftsführerin Anke Dämmrich sagte, dass durch die Grenzöffnung das Kundenvolumen und entsprechend der Umsatz wieder um 40 Prozent angestiegen seien. „Wir sind jetzt bei 80 bis 90 Prozent von vor Corona.” Die Grenzschließungen hätten sich massiv ausgewirkt, die Hälfte der Kunden seien nicht mehr da gewesen. „Wir erwirtschaften etwa 40 Prozent unseres Umsatzes mit Bürgern von der anderen Seite der Saalach”, so Dämmrich. Daniel Pichler, Wirt des Wieninger Bräus, zeigte sich ebenfalls hochzufrieden. „Wenn das Wetter schön ist, passt alles wieder und ist wie vor Corona”, sagte er. Seit die Grenzen offen sind, seien die Umsätze wieder in Ordnung. Die Einbrüche vorher hätten etwa 40 Prozent betragen, er habe Personal zum Teil kündigen und zum Teil in Kurzarbeit schicken müssen. Jetzt sei noch wichtig, dass die Sperrstunde im Biergarten weiter verkürzt werde.

 

Hans Leppertinger vom Lokal „Das Post” äußerte sich aktuell ebenfalls positiv und bestätigte die Aussagen seines Wirt-Kollegen Pichler. Marietta Sulek kämpfte in ihrem Reformhaus mit Umsatzeinbrüchen von zwei Drittel, als die österreichischen Kunden fehlten. „Unsere Geschäfte sind auf 70.000 Einwohner angelegt”, erklärte Wifo-Vorsitzende Anni Klinger. Sie hofft bezüglich der Corona-Maßnahmen auf baldige Chancengleichheit von Handel und Gastronomie von „drent und herent” der Saalach. Eine Antwort kam bei allem optimistischem Einsatz selbst ihr wie ein geölter Blitz über die Lippen. Daniel Pichler meinte hoffnungsvoll, vielleicht könne die Wifo Nighttour heuer doch noch stattfinden. Darauf Anni Klinger: „Nein, auf keinen Fall.” (Text: Tanja Weichold)